Volksbanker Oliver Schmidt läuft New York Marathon

Sonntag, 06. November 2016 – es ist 04.45 Uhr morgens in New York City und mein Wecker klingelt. Ich starte in diesem Jahr bereits zum zehnten mal beim New York City Marathon und wenn ich ankomme habe ich meinen insgesamt 20. Marathon absolviert und zehn davon in New York.

Zuerst werfe ich einen kurzen Blick aus dem Fenster um die Kleidungswahl für den Tag zu bestätigen, dann an wichtigen Stellen eincremen und abkleben und die Laufkleidung, die mich heute fast den ganzen Tag über begleitet, anziehen. Ich entscheide mich für eine kurze Hose und für ein kurzes Laufshirt, denn die Temperatur ist angenehm warm. Für die Stunden bis zum Start ziehe ich mir eine alte Hose und einen alten Pullover an, die ich dann kurz vor dem Start in der Altkleider-Sammlung abgeben kann.

Mit dem Bus starte ich dann mit den anderen Teilnehmern meiner Gruppe in Richtung Startbereich unterhalb der Verrazano-Narrows Bridge in Staten Island.  Nach einer 45 minütigen Busfahrt erreichen wir das Startgelände. Hier treffen in den nächsten Minuten und Stunden alle über 50.000 Starter des diesjährigen New York Marathons ein. Der Startbereich gleicht einer Festung: Hunderte Polizisten und Sicherheitsleute kontrollieren die Läuferinnen und Läufer und auf den Dächern der Gebäude stehen Scharfschützen. Das Startgelände befindet sich auf dem Gelände des Fort Wadsworth, einem alten Militärstützpunkt, der Ende der 90er Jahr an den National Park Service übertragen wurde.

Hier vertreibt sich jeder Teilnehmer auf seine Weise die Zeit bis zum Start. Ich war mit meiner Startnummer dem orangen Startbereich zugeordnet, den ich schnell erreichte. Es gibt gratis Kaffee und Tee, Donuts, Wasser, Gatorade und Powerbar Riegel und auch die UPS-Kleider-LKWs befinden sich in diesem Bereich. Hier kann ich meinen persönlichen Kleiderbeutel abgeben, den ich dann nach dem Zieleinlauf mit frischen Sachen wieder abholen kann.

Durch die Unterteilung in drei Farben (Grün, Blau und Orange) wird das Starterfeld von 50.000 Startern übersichtlich. Zusätzlich werden die Läufer in Startwellen und die sogenannten Corrals unterteilt. Ein Corral umfasst maximal 1.000 Läufer. Durch diese Unterteilung kommt es auf der Strecke nach dem Start nicht zu einem großen Stau und jeder Läufer kann schnell seinen eigenen Laufrhythmus finden.

Kurz vor dem Start werden die Elite Läufer vorgestellt und die amerikanische Hymne wird gesungen. Der Bürgermeister von New York gibt schließlich den Startschuss und zu den Klängen von Frank Sinatras „New York, New York“ überquere ich in der dritten von vier Startwellen um 10.40 Uhr die Startlinie.

Der beeindruckende Blick von der Brücke auf Manhattan begleitet mich den ersten Kilometer und meine Reise durch die fünf Stadtteile von Manhattan beginnt. Direkt nach der Brücke stehen im Stadtteil Brooklyn die Zuschauer dicht gedrängt an der Strecke. Die Stimmung ist einzigartig und wirklich alle Läuferinnen und Läufer werden lautstark angefeuert.

Meine Durchgangszeit beim Halbmarathon liegt bei einer Zielzeit von knapp über 4 Stunden, ich merke allerdings jetzt schon, dass ich den Lauf zu schnell angegangen bin, zu wenig trainiert habe und daher meine Laufgeschwindigkeit reduzieren muss.

Die Strecke führt mich in den Stadtteil Queens und bei km 25 dann über die Queensboro Bridge nach Manhattan auf die First Avenue. Die Zuschauer hier stehen noch dichter gedrängt an der Strecke als in Brooklyn – die Stimmung beflügelt mich und ich mache mich nach einem kurzen Stopp bei meiner Frau, um mich mit Cola und einer Banane zu versorgen, auf den Weg über die Willis Avenue Bridge in die Bronx.

Leider verkrampft bei km 30 mein rechtes Bein und an Laufen ist nicht mehr zu denken. So werden die letzten 12km ein langer und schneller Sparziergang in Richtung Ziel im Central Park. Ich hoffe, dass mein linkes Bein einigermaßen fit bleibt und ich wenigstens unter 5 Stunden „Laufzeit“ das Ziel erreichen werde. Um es kurz zu machen: Mein Bein hält und ich überquere nach 4 Stunden, 52 Minuten und 9 Sekunden die Ziellinie. Ich werde 33.229 ster von über 50.000 Startern und habe damit auch meinen zehnten New York Marathon in Folge geschafft. Ich freue mich über meine Medaille, eine wärmende Folie und über meine Versorgungstasche mit Salzbrezeln, Äpfeln und Getränken.

Nach einer ausgiebigen und heißen Dusche, einem leckeren Burger und einem Finisher-Bier am frühen Abend sind die Schmerzen in den Beinen spürbar vorhanden, aber die Vorfreude auf den New York City Marathon 2017 ist schon da. Denn wenn ich fit bin, werde ich auch im nächsten Jahr wieder beim größten Marathon der Welt an den Start gehen.